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BioFilia

Im ersten Inselwelten-Artikel habe ich erklärt, was Inseln so besonders macht: Ihre Isolation, die es ermöglicht, dass Arten sich ganz unabhängig von denen auf dem Festland entwickeln.

Ein strahlendes Beispiel dafür möchte ich diesmal vorstellen: Neuseeland.

Land vor unserer Zeit

Vor 200 Millionen Jahren war Neuseeland ein Teil des Urkontinents Gondwana. Noch bevor sich Australien und der heutige antarktische Kontinent von dieser großen Landmasse trennten, löste sich das Bruchstück mit dem heutigen Neuseeland. Dies geschah vor spätestens 80 Millionen Jahren. Seither war Neuseeland nicht mehr mit einer großen Landmasse verbunden.

Seit dieser Zeit haben sich die Inseln mehrmals gewandelt. Gebirge wurden abgetragen, Teile der Inseln versanken im Meer, es entstanden tief liegende Sumpfgebiete. Bis sich beginnend vor etwa 30 Millionen Jahren wieder Gebirge erhoben. Viele der heutigen Berge und Täler sind noch viel jünger.

In der letzten Eiszeit war die Südinsel von großen Gletschern bedeckt, was ihre heutige Landschaft prägte. Zu dieser Zeit waren die beiden Hauptinseln verbunden.

Land in unserer Zeit

Viele Menschen sind von Neuseeland fasziniert. Das liegt nicht zuletzt an der Vielfalt gegensätzlicher Landschaften auf kleinem Raum. Hochgebirge, Regenwald, Küsten, Fjorde, Ebenen, Vulkane…

Mild und rauh zugleich

Heute liegt Neuseeland klimatisch in den gemäßigten Breiten der Südhalbkugel. Das Klima ist zwar insgesamt recht mild und die Temperaturunterschiede im Jahresverlauf sind gering. Doch durch die große Ausdehnung von Süden nach Norden von etwa 1600 km (Deutschland: 880 km) und die Hochgebirge vor allem auf der Südinsel gibt es dennoch einige Unterschiede.

So ist das Klima im Norden der Nordinsel eher subtropisch, in den Bergen der Südinsel aber alpin. Die Ostseite der Inseln ist außerdem viel trockener als die Westseite, da der meist von Westen kommende Wind die Niederschläge gegen die Gebirge treibt und sie die Ostseite oft nicht erreichen.

Mount Cook
Die Neuseeländischen Alpen teilen die Südinsel. Ihre Westseite ist von hohen Niederschlagsmengen geprägt, auf der Ostseite ist es eher trocken.

Genau diese Eigenschaften Neuseelands, also das insgesamt eher milde Klima, die große Ausdehnung von Süden nach Norden und die Vielfalt an Landschaften ermöglichten die Entstehung einer großen Artenvielfalt.

Seit sich Neuseeland vom Festland getrennt hat, sind viele Arten entstanden und wieder ausgestorben, genau wie sich das Gesicht der Insel selbst gewandelt hat.

Einzigartig und bedroht

Die heutige Tierwelt Neuseelands hat ein Merkmal, das sie absolut einzigartig macht: es gibt keine einheimischen Landsäugetiere – außer drei Fledermausarten. Dafür gibt es unzählige Vogelarten, von denen viele flugunfähig sind, da sie sich nie vor Feinden am Boden fürchten mussten. Wohl am berühmtesten sind die Kiwis, die zum Nationalsymbol Neuseelands wurden.

Nach Ankunft der ersten Menschen – der Vorfahren der Maori –  in Neuseeland vor etwa 800 Jahren wandelten sich die Ökosysteme. Die flugunfähigen Vögel waren leichte Beute, da sie nicht daran angepasst waren, gejagt zu werden. Viele Arten starben aus.

Mit Ankunft der Europäer Mitte des 18. Jahrhunderts und all der Tiere, die sie mitbrachten, wurde dieser Prozess noch verstärkt. Bis heute sind die endemischen Arten Neuseelands stark durch eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten gefährdet.

Auch die Landschaften änderten sich. Wälder wurden gerodet und in Weideland umgewandelt. Als die Maori in Neuseeland ankamen, war es zu 80% mit Wald bedeckt. Heute sind es noch ungefähr 25 %. Die berühmten sanften grünen Hügel der Inseln gibt es nur, weil die Gebiete für Landwirtschaft und Tierhaltung abgeholzt wurden.

Inzwischen steht etwa 1/3 der Landesfläche unter Naturschutz. Es werden viele Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der fremden Arten einzudämmen oder sogar auszurotten. Auf kleineren Inseln vor der Küste wird versucht, den Zustand wiederherzustellen, der vor der menschlichen Besiedlung herrschte.

Abel Tasman Nationalpark
Abel Tasman Nationalpark. Fast karibisch anmutende Küste, die Wälder sind noch größtenteils einheimisch.

Die Pflanzenwelt Neuseelands

Nicht nur die Tierwelt, auch die Pflanzenwelt Neuseelands ist einmalig.  85 % der etwa 2300 Pflanzenarten Neuseelands kommen nur dort und nirgendwo anders auf der Welt vor. In den Alpen sind es sogar über 90 % der etwa 600 alpinen Pflanzenarten.

Inzwischen gibt es aber beinahe so viele eingeschleppte wie einheimische Pflanzenarten, von denen einige die ursprüngliche Vegetation zu verdrängen drohen.

Die Wälder Neuseelands sind aufgrund des milden Klimas größtenteils immergrün. Nur alpine Arten sind an Kälte angepasst und überstehen längeren Frost. Da Säugetiere fehlten, sind die Pflanzen Neuseelands nicht auf Beweidung eingestellt. Sehr viele Pflanzen sind auf Vögel als Samenausbreiter angewiesen.

Land der Farne

Bekannt ist Neuseeland auch für seine Vielfalt an Farnen. Unter ihnen sind die Baumfarne, die über 10 m hoch werden können, am auffälligsten. Oft prägen sie das Bild ganzer Wälder. Fast 200 Arten von Farnen gibt es auf den Inseln insgesamt, von denen rund die Hälfte endemisch ist. Der Silberfarn wurde zu einem Nationalsymbol des Landes.

Urzeitliche Wälder

An den regenreichen Westküsten wachsen urzeitlich anmutende Regenwälder, die so nahe an die Gletscher des Hochgebirges heranragen wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Regenwald Neuseeland
Regenwald an der Westküste der Südinsel.

Im kühleren Süden sind die Wälder von Südbuchen geprägt, im wärmeren Norden sind es Nadelbäume, am berühmtesten unter ihnen die uralten Kauri-Bäume.

Kauri-Wälder gab es schon vor 200 Millionen Jahren, als Neuseeland noch ein Teil Gondwanas war. Heute ist der neuseeländische Kauri der größte übrige Vertreter dieser Baumfamilie. Die Kauri-Wälder sind nur noch auf 1% ihrer ursprünglichen Fläche zu finden.

Die ältesten noch lebenden Kauri-Bäume in Neuseeland sind etwa 2000 Jahre alt und von beeindruckender Höhe (höchster Baum: 51 m) und Umfang (dickster Baum: über 16 m). Während sie früher vor allem durch die Nutzung ihres Holzes bedroht waren, ist es heute eine Pilzkrankheit, die den Bäumen gefährlich werden kann.

Kauri
Einer der ältesten und größten Kauris Neuseelands.

Berühmte „Weihnachtsbäume“

Sehr bekannt sind auch die Neuseeländischen Eisenhölzer mit ihren auffälligen roten Blüten. Da sie um die Weihnachtszeit blühen, werden sie oft auch „Weihnachtsbaum“ genannt. Die größten Bäume mit ihren breiten Kronen und Luftwurzeln wachsen entlang der Küsten der Nordinsel.

Die „Weihnachtsbäume“ werden zwar sehr gerne als Zierpflanzen eingesetzt, in freier Natur sind aber auch ihre Bestände bedroht. Die eingeführten schnell wachsenden Kiefern drohen sie vielerorts zu verdrängen. Außerdem haben sie den ursprünglich zur Pelztierzucht eingeführten Possums, die ihre Blätter fressen, wenig entgegenzusetzen.

Mehr Details zur Pflanzenwelt Neuseelands sind in diesem Artikel nachzulesen.

Pflanzen Neuseelands
Baumfarn, Kauri und neuseeländisches Eisenholz sind drei der bekanntesten Pflanzen Neuseelands.

Die Tierwelt Neuseelands

Das auffälligste Merkmal der Tierwelt Neuseelands ist das Fehlen von Landsäugetieren – bis auf drei Fledermausarten. Erst mit der Besiedlung durch Menschen gelangten weitere Säugetiere auf die Inseln. Viele davon sind eine große Gefahr für die einheimischen Tiere.

Das Reich der Vögel

Dafür ist die Vogelwelt sehr artenreich. Da es keine Landraubtiere gab, verloren viele Vögel ihre Flugfähigkeit. Viele dieser Vögel kennen keine Fluchtreaktion, denn sie mussten nie Jäger vom Boden fürchten. Das wurde vielen nach Eintreffen der Menschen und der Tiere, die sie mitbrachten, zum Verhängnis.

Heute leben auch Hunde, Katzen, Wiesel, Ratten und Fuchskusus (Possums) in Neuseeland – und stellen auf die eine oder andere Art eine Gefahr für die einheimischen Tiere dar.

Ein Nationalsymbol

Am bekanntesten unter den neuseeländischen Vögeln sind wohl die Kiwis, die auch zum Nationalsymbol wurden. Kiwis gehören zu den Laufvögeln. Sie sind die kleinsten Vertreter dieser Gruppe von Vögeln, zu der auch die größten derzeit lebenden Vogelart gehört: der afrikanische Strauß.

Kiwis aber sind an ein Leben am Waldboden angepasst. Mit ihrem langen Schnabel stochern sie im Humus und ertasten so ihre Nahrung, zu der Würmer und Larven, aber auch Pflanzen gehören.

Vor der Ankunft der menschlichen Siedler waren die fünf Kiwi-Arten zu Millionen in den Wäldern Neuseelands verbreitet. Obwohl sie vergleichsweise gut mit der veränderten Landschaft zurechtkommen, sind sie aus vielen Regionen verschwunden.

Gefährlich für sie – besonders die Jungtiere – sind vor allem die eingeschleppten Raubtiere. Früher war es auch die Bejagung durch Menschen. Die Jagd auf Kiwis wurde aber schon 1886 verboten. Heute werden viele Schutzmaßnahmen ergriffen, um den Kiwi zu erhalten.

Ganz besondere Papageien

Auch einige Papageienarten leben in Neuseeland. Die meisten davon sind zwar eher unscheinbar in Grün- und Brauntönen gefärbt, aber deshalb nicht weniger besonders.

Der Kea ist eine der wenigen Papageienarten, die im Gebirge leben und auch dort überwintern können. Außerdem werden sie zu den intelligentesten Vögeln der Welt gezählt.

Sie sind bekannt für ihre Neugier und Verspieltheit, durch die sie sich gerne in der Nähe von Menschen aufhalten und besonders Autos als lustigen Spielplatz betrachten. Die Bestände der Keas sind im 20 Jahrhundert durch Verfolgung stark zurückgegangen. Ihre Zahl kann nur geschätzt werden, die Angaben liegen zwischen 1000 – 15000 Tieren.

Kea
Keas, die Bergpapageien Neuseelands, gehören zu den intelligentesten Vögeln der Welt. Die Zeichnung zeigt einen Jungvogel, erkennbar an den gelben Augen- und Schnabelrändern.

Außerdem ist der einzige flugunfähige Papagei der Welt in Neuseeland beheimatet: der Kakapo. Kakapos sind nachtaktiv und ernähren sich von pflanzlicher Nahrung, die sie mit ihrem Schnabel stark zerkleinern können. Mit ihren kräftigen Füßen können sie gut klettern. Sie waren früher in verschiedenen Lebensräumen auf beiden Hauptinseln verbreitet.

In Folge starker Bejagung durch Menschen und durch die eingeschleppten Tiere sind sie dem Aussterben nahe – in den 1970er Jahren bestand sogar die Befürchtung, dass die Art bereits ausgestorben ist. 1994 waren noch 47 Tiere übrig.

Durch starke Anstrengungen waren es 2017 wieder 151 Exemplare. Alle bekannten Kakapos wurden zu ihrem Schutz von den Hauptinseln auf kleinere vorgelagerte Inseln gebracht. Die Geschichte der Gefährdung und vorläufigen Rettung der Kakapos ist spannend zu lesen.

All die anderen…

Der Takahe, ein flugunfähiger Vogel aus der Familie der Rallen (also verwandt mit unseren Teichhühnern) galt seit Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls als ausgestorben. 1948 wurde ein kleiner Restbestand in einer abgelegenen Gegend wiederentdeckt. Heute gibt es etwa 300 Tiere.

Neuseeland liegt auf der Südhalbkugel – und deshalb gibt es natürlich auch Pinguine. Zwei der seltensten Pinguinarten der Welt brüten nur in Neuseeland: der Gelbaugenpinguin und der Dickschnabelpinguin. Beide Arten leben vor allem an den Küsten der Südinsel.

Dies sind nur einige interessante Beispiele für die Vögel Neuseelands. Die Liste der Arten ist viel zu lang, um hier darauf einzugehen.

Flugunfähige Vögel Neuseelands
Gelbaugenpunguin, Kakapo und Kiwi, drei der endemischen flugunfähigen Vogelarten Neuseelands.

Relikte der Urzeit

Neben den vielen Vogelarten gibt es auch eine große Zahl von Insekten: Etwa 20000 verschiedene Arten – und 90 % davon sind endemisch.

Ein beeindruckendes Beispiel sind die Riesen-Wetas: flügellose riesige Heuschrecken. Sie können über 9 cm lang werden und wiegen bis zu 70 Gramm. Damit gehören sie zu den schwersten Insekten der Welt. Auf den Hauptinseln sind sie aufgrund der eingeführten Tiere kaum noch zu finden und leben heute hauptsächlich auf den kleineren Inseln vor den Küsten.

Auch Amphibien und Reptilien leben in Neuseeland – Schlangen gibt es allerdings nicht. Unter den Echsen sticht vor allem die Brückenechse hervor. Diese Art ist die letzte Überlebende einer vielfältigen Gruppe, die vor über 150 Millionen Jahren erfolgreich war.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilien reicht ihnen eine Körpertemperatur von etwa 20° C aus, um aktiv zu sein. Deshalb haben sie einen langsamen Stoffwechsel, wachsen langsam und können sehr alt werden – angeblich bis zu 150 Jahre. Sie ernähren sich vor allem von Insekten – darunter auch die großen Wetas.

Brückenechse
Brückenechse, in der Sprache der Maori Tuatara gennant. Die letzte überlebende Art einer einst sehr erfolgreichen Gruppe.

Auch die Froscharten Neuseelands gelten als „lebende Fossilien„. Sie haben sich kaum verändert, seit Neuseeland sich von den anderen Landmassen trennte. Sie sind heute stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht.

Die einzigen Säugetiere Neuseelands sind – wie schon erwähnt – drei Fledermausarten. Die Große Neuseelandfledermaus ist seit den 1960er Jahren verschollen. Die Kleine Neuseelandfledermaus kommt nur noch in einigen ursprünglichen Waldgebieten der Inseln vor.

Sie ernährt sich sowohl von Früchten und Nektar als auch von Insekten und anderen Wirbellosen. Auf der Suche nach Nahrung bewegt sie sich oft am Boden laufend fort – sie ist die einzige Fledermausart der heutigen Zeit, die sich so fortbewegt.

Die Neuseeland-Lappenfledermaus dagegen ist relativ weit auf beiden Hauptinseln verbreitet, bevorzugt aber ebenfalls ursprüngliche Wälder. Sie jagt fliegend Insekten. Beide Arten sind gefährdet.

Ein Blick in die Vergangenheit

Neuseeland ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein empfindliches Ökosystem gestört wird. Die über Jahrmillionen an ihren Lebensraum angepassten Lebewesen hatten keine Chance, sich schnell genug an die Veränderungen anzupassen, die die Menschen mit sich brachten.

Neuseeland wurde zwar erst vergleichsweise spät – vor weniger als 1000 Jahren – durch Menschen besiedelt. Dennoch sind seitdem, noch beschleunigt durch die Ankunft der Europäer, vor allem viele Vogelarten ausgestorben. Auch heute gelten 70% der einheimischen Vogelarten, neben vielen anderen, als gefährdet.

Der Untergang der Großen

Ein eindrückliches Beispiel für ausgestorbene Arten Neuseelands sind die Moas. Besonders die größte Moa-Art – der Riesen-Moa – ist weithin bekannt. Wie die Kiwis auch waren Moas Laufvögel. Während die kleineren Arten etwa die Größe eines Truthahns hatten, wogen die Riesenmoas nach Schätzungen zwischen 180 und 270 kg.

Alte Darstellungen zeigten den Moa mit gestrecktem Hals wie ein Strauß. In dieser Aufrichtung wären sie über 3 m hoch gewesen. Heute jedoch geht man davon aus, dass der Hals in Höhe des Körpers vorne getragen wurde – dennoch erreichten sie so eine Höhe von 2 m. Ihre Eier waren größer als Straußeneier. Sie lebten in den Wäldern Neuseelands und ernährten sich rein vegetarisch.

Feinde vom Boden kannten sie nicht. Gejagt wurden sie auf der Südinsel jedoch durch den Haast-Adler – den größten bekannten Greifvogel der Neuzeit. Die Hauptbeute der Adler waren zwar vermutlich die kleineren Moa-Arten, aber sie waren auch in der Lage, Riesenmoas zu erlegen.

Sie wogen vermutlich 9 – 15 kg. Zum Vergleich: die derzeit größten Greifvogelarten wiegen maximal um 9 kg. Die Männchen waren wie bei den meisten Greifvögeln deutlich kleiner als die Weibchen. Die Flügelspannweite war im Vergleich zur Körpergröße eher klein, Schätzungen liegen bei 2,5 – 3 m. Dafür waren die Flügel sehr breit.

Diese eher kurzen Flügel erleichterten wahrscheinlich die Jagd auf Moas im dichten Wald. Auch die heute noch lebenden größten Greifvogelarten wie die südamerikanische Harpyie haben eher kurze Flügel – und jagen ebenfalls im Wald. Um die kleine Flügelfläche auszugleichen, war der Schwanz der Adler wahrscheinlich lang und breit.

Die Krallen des Haast-Adlers waren bis zu 11 cm lang. Trotz ihres hohen Gewichts müssen sie in der Lage gewesen sein, vom Boden aus zu starten – dank ihrer starken Beine und kräftigen Flugmuskeln  .

Moa und Haast-Adler
Jagdszene mit Moa und Haastadler. Verletzungen, die man an Moa-Knochen gefunden hat, lassen vermuten, dass die Adler von hinten angegriffen haben. Bei beiden Arten kann man nur vermuten, wie sie ausgesehen haben. Für die Zeichnung habe ich mich an anderen Darstellungen orientiert.

Mit der Ankunft der Menschen in Neuseeland war das Schicksal von Haast-Adler und Moa besiegelt. Moas kannten nur Gefahr aus der Luft – nicht vom Boden. Sie wurden wahrscheinlich weniger gejagt als vielmehr geerntet. Dazu kam der Verlust von Lebensraum. Weniger als 100 Jahre nach Ankunft der ersten Menschen in Neuseeland waren Moas ausgestorben. Und damit auch die Beute des Haast-Adlers.

Aber nicht nur der Verlust seiner Haupt-Beute wurde dem Haast-Adler zum Verhängnis. Er war in der Lage, auch Menschen zu töten, vielleicht sogar immer häufiger, je weniger Moas es gab. Es ist davon auszugehen, dass er deswegen stark verfolgt wurde. Das Ende der Moas war auch das Ende der Haast-Adler.

Hoffnung

Trotz der Einschnitte in seine Ökosysteme und den Verlust so vieler Arten ist Neuseeland auch heute noch eine beeindruckende Inselwelt. Es gibt inzwischen große Projekte, die versuchen, die schädlichsten eingeschleppten Arten zu dezimieren und letztendlich wieder auszurotten, um zumindest einige der ursprünglichen Ökosysteme zu erhalten oder wieder aufzubauen.

Neuseeland ist führend in der Aufzucht vom Aussterben bedrohter Arten. Es gibt sehr strenge Regelungen für die Einführung von Tieren und Pflanzen und deren Produkten. Es besteht also Hoffnung, dass Neuseelands Einmaligkeit auch in Zukunft noch bewundert werden kann.

Und weil ich selbst Neuseeland so sehr liebe und deshalb auch schon dort war, gibt es zum Abschluss noch eine kleine Fotogalerie.

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