Schließen

BioFilia

Der Internationale Tag des Waldes wurde 1971 von den Vereinten Nationen empfohlen und auf den 21. März gelegt. Dieser Tag sollte auf das Problem der Waldvernichtung aufmerksam machen. Leider ist dieses Thema auch heute noch aktuell.

Buchenwald
Buchenwald in Deutschland

Wälder in Gefahr

Vor Beginn der Landwirtschaft, also vor etwa 10.000 Jahren, waren schätzungsweise 62 Millionen Quadratkilometer der Landfläche weltweit mit Wäldern bedeckt. Das entsprach etwa 42 % der Fläche. Heute sind davon noch knapp 40 Millionen Quadratkilometer übrig (ca. 27 % der Landfläche). Und der Verlust ist keineswegs gestoppt. Der WWF erwartet in seinem Living Forest Report (2015) bis 2030 den Verlust von weiteren 1,7 Millionen Quadratkilometern Wald in elf besonders stark von Abholzung betroffenen Regionen, hauptsächlich in tropischen Wäldern. In diesen Regionen findet laut dem Bericht 80 % der Waldvernichtung weltweit statt.

Die Gründe für die Waldvernichtung unterscheiden sich je nach Region. Besonders häufig sind es die Gewinnung von Feuer- , Bau- oder Papierholz, Straßenbau, Flächengewinn für die Landwirtschaft oder den Bergbau. Ein großer Teil der so entstandenen Produkte wird nach Europa importiert und dort verkauft. Viele Waldflächen schwinden für den Soja-Anbau, welches dann in Europa als Tierfutter in der Fleischindustrie Verwendung findet.

Um bei Papier und Holz weitgehend sicherzugehen, keine Produkte aus Raubbau zu kaufen, kann man auf das FSC-Siegel achten (Forest Stewardship Council). Auch dieses Siegel ist nicht unumstritten, aber es ist ein Anfang.

Kahlfläche in einem Wald in Deutschland, hier aber vermutlich in Folge eines Sturms oder Parasitenbefalls. Danach wird eine solche Fläche schon bald wieder mit jungen Bäumen bedeckt sein, wenn man sie sich selbst überlässt.

Wälder in Deutschland

In Deutschland ist die Situation etwas anders. Hier wird eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben. Diese beruht darauf, nicht mehr Holz aus dem Wald zu entnehmen, als auch nachwachsen kann. Dieses Konzept wurde schon vor 300 Jahren entwickelt, als die Wälder in Deutschland wegen Raubbau zu verschwinden drohten. Die Waldflächen in Deutschland wachsen sogar leicht an. Etwa 32 % der Fläche Deutschlands sind heute mit Wald bedeckt. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten Länder in der Europäischen Union. Die Gesamtzahl der Bäume in diesen Wäldern liegt bei etwa 90 Milliarden.

Waldlandschaft
Eine Waldlandschaft im Südwesten Deutschlands.

Die letzten Urwälder

Die Forstwirtschaft in Deutschland ist flächendeckend. So gibt es kaum noch ursprüngliche Wälder, die nie von Menschen genutzt wurden. In Nationalparks werden Flächen bewusst aus der Nutzung genommen. Bis die Wälder aber wieder in einen Urwald-Zustand zurückkehren, können lange Zeiträume vergehen.

In Europa gibt es nur wenige Reste echter Urwälder (ca. 6,4 % der gesamten Waldfläche, weltweit sind es ca. 21 %). Fast alle dieser Wälder sind Gebirgswälder und boreale Nadelwälder (also an Kälte angepasste Wälder weit im Norden), nur ca. 1 % ist Laubmischwald in gemäßigteren Klimazonen.

Größere Flächen dieser ursprünglichen Laubmischwälder finden sich in den Karpaten. Ein urwaldähnlicher Mischwald ist auch im Białowieża-Nationalpark im Osten Polens erhalten. Dieses Gebiet ist auch für die letzte frei lebende Population von Wisenten (Europäischer Bison) bekannt.

 Białowieża-Nationalpark
Unterwegs im Białowieża-Nationalpark.

Das Land der Rotbuche

Würde man der Natur freien Lauf lassen, wären etwa 67 % Deutschlands mit Buchen-Mischwäldern bedeckt. 26 % des gesamten weltweiten Verbreitungsgebiets der Rotbuche liegen in Deutschland. In einigen deutschen Nationalparks soll der natürliche Rotbuchen-Mischwald wieder hergestellt werden. Hier lassen sich auch heute schon ausgedehnte Buchenwälder bewundern. Dazu gehören die Nationalparks Jasmund (Rügen), Müritz, Hainich und Kellerwald-Edersee. Die dortigen Buchenwälder sind ein Teil des UNESCO-Weltnaturerbes „Europäische Buchenwälder“.

Nationalpark Jasmund
Rotbuchen-Wald im Nationalpark Jasmund auf Rügen

Außer der Rotbuche finden sich rund 90 verschiedene Baum- und Straucharten in den Wäldern Deutschlands. Insgesamt gibt es etwa 4300 Pflanzen- und Pilzarten in den Buchenwäldern Mitteleuropas – und mehr als 6700 Tierarten. Die meisten der Tiere sind Insekten und andere Klein- und Kleinstlebewesen. Viele von ihnen leben für uns unsichtbar im Boden, in der Laubstreu oder in totem Holz. Deshalb sind naturbelassene Wälder, in denen auch totes Holz liegen bleibt, am artenreichsten. Zum Vergleich: in den tropischen Wäldern leben schätzungsweise 50.000 verschiedene Baumarten. Insgesamt werden dort 50 – 75 % aller Pflanzen und Tierarten der Erde vermutet.

Baumpilz
Pilze an einem Baumstamm. Pilze sind von großer Bedeutung für die Wald-Ökosysteme.

Das Atmen der Bäume

Wälder haben eine große Bedeutung für die Stoffkreisläufe und sogar das Klima auf der Erde. Pflanzen nehmen aus der Luft CO2 auf und speichern während ihres Wachstums den darin enthaltenen Kohlenstoff in ihrem Körper. Etwa 862 Milliarden Tonnen Kohlenstoff sind weltweit in Wäldern gebunden. Stirbt eine Pflanze, wird bei ihrer Zersetzung wieder CO2 frei. Und ebenso bei der Verbrennung von Holz.

Auch Stein- und Braunkohle bestehen aus pflanzlichem Material. Sie entstanden vor vielen Millionen Jahren aus Sumpfwäldern, die im Laufe der Zeit  Meeren überflutet und von Sedimenten bedeckt wurden. Der in diesen Pflanzen gebundene Kohlenstoff versank mit ihnen – und wird heute durch die Nutzung von Kohle und Erdöl (welches allerdings überwiegend aus Algen entsanden ist) in kürzester Zeit wieder freigesetzt.

Gleichzeitig setzen Bäume große Mengen an Sauerstoff frei. Bei einer alten Buche sind das bis zu 1,7 kg Sauerstoff pro Stunde – davon können etwa 50 Menschen eine Stunde atmen.

Buchenwald Nationalpark Hunsrück-Hochwald
Rotbuchenwald im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Wälder und Wasser

Für den Wasserkreislauf sind Wälder ebenfalls sehr wichtig. In Wäldern ist der Oberflächenabfluss von Wasser sehr gering – Waldboden nimmt Wasser wie ein Schwamm auf und gibt es nur nach und nach wieder ab. Ein Hektar Waldboden kann bis zu drei Millionen Liter Wasser speichern. Durch den geringen Abfluss an der Oberfläche bieten Wälder außerdem Schutz vor Bodenerosion. Da die Bäume den Boden stark beschatten, ist auch die Verdunstung sehr gering.

Sickert das Wasser durch den Waldboden, nehmen Kleinstlebewesen im Wasser vorhandene Nährstoffe auf und es kommt es zu chemischen Reaktionen mit Humus und Mineralien. So wird das Wasser ganz natürlich aufbereitet, bevor es ins Grundwasser gelangt. Grundwasser aus Wäldern ist deshalb besonders gut als Trinkwasser geeignet.

Dhron-Talsperre
Eine Talsperre im Hunsrück.

Faszination Wald

Wälder unterscheiden sich sehr stark, je nachdem, in welcher Klimazone und auf welchem Kontinent sie wachsen. Doch überall sind sie ein Rückzugsort für viele Lebewesen und verzaubern die Menschen mit ihrer Ursprünglichkeit – selbst hier in unserer Kulturlandschaft erscheinen sie uns wie ein letztes Stück Wildnis in der von Menschen geprägten Welt.

Wald Neuseeland
Ein Wald in Neuseeland.

Und übrigens: Morgen (22. März) ist der Internationale Tag des Wassers.

Quellen

Schreibe einen Kommentar

Your name
Your email address
Website URL
Comment