Schließen

BioFilia

Dieses eindringliche Video gehört zu einer Kampagne der amerikanischen Non-Profit-Organisation Conservation InternationalDas Hauptziel der Organisation ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt weltweit und sie wirbt gerne mit klaren Worten für ihre Ziele. 

Der Film veranschaulicht sehr deutlich, was unser Umgang mit der Natur letztendlich für uns selbst bedeutet. 

In diesem Artikel schaue ich mir die Aussagen etwas genauer an und mache mir ein paar Gedanken dazu.

Da im Video „die Menschen“ als eine Einheit mit „Ihr“ angesprochen werden, benutzte ich im Text der Einfachheit halber „wir“ für die Menschen.

Wenn Du lieber die englischsprachige Version – gesprochen von Julia Roberts – anschauen möchtest, klicke hier.

Die Natur spricht

„Manche nennen mich Natur. Andere nennen mich Mutter Natur. Ich bin hier seit mehr als 4,5 Milliarden Jahren. 22500-mal länger als ihr.”

Der Film beginnt mit einer Vorstellung, damit der Zuschauer weiß, wer überhaupt spricht.

Es wird die sehr alte Metapher der „Mutter Natur“ verwendet, um der Natur eine Persönlichkeit zu geben. Dadurch fällt es leichter, ihre Perspektive einzunehmen.

Tatsächlich bezeichnet der Begriff Natur ganz allgemein gesprochen alles, was nicht vom Menschen geschaffen wurde, ist also kaum auf einen einzigen Nenner zu bringen.

Das Bild der „Mutter Natur“ umfasst die Gesamtheit der Natur und ermöglicht es so, die Natur sprechen zu lassen – wobei das Video sich auf den für uns wichtigsten Teil der Natur bezieht: unseren Planeten. Um die Aussage des Videos zu verstehen, ist es also nicht notwendig, an eine tatsächlich personifizierte Natur im Sinne einer Gottheit zu glauben.

Die Erwähnung des Alters der Erde im Vergleich zum Alter der Menschheit soll verdeutlichen, wie kurz die Geschichte der Menschen eigentlich erst ist, und wie klein wir Menschen – auch als Teil der Natur – im Vergleich zur gesamten Natur sind (mehr zur Geschichte des Lebens findest Du hier).

Moor-Landschaft Natur

 

Ich brauche die Menschen nicht, aber die Menschen brauchen mich.

Na gut, das erklärt sich eigentlich von selbst. Dennoch kann es nicht schaden, sich das immer wieder bewusst zu machen. Die Natur braucht die Menschen nicht, sie braucht überhaupt keine einzelne Lebensform. Sie IST einfach.

Auch wenn wir als Menschen viele Erfindungen gemacht haben, die uns unabhängiger von der Natur machen (oder zu machen scheinen), sind wir letztendlich immer noch abhängig von ihr. Die grundlegenden Ressourcen, die wir zum Leben brauchen, kommen aus der Natur, allen voran unsere Nahrung. Der Planet Erde ist unser Lebensraum.

In einer Zeit, in der die Menschen noch vom Jagen und Sammeln lebten, waren sie einfach ein Teil der Natur, der mit im Gleichgewicht lebte. Doch mit dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht und wachsender Bevölkerung begann die Ausbeutung, die ab der Industrialisierung immer neue Höhen erreichte. Das Gleichgewicht wurde gestört.

einsamer Hof

Ja, eure Zukunft hängt von mir ab. Wenn es mir gut geht, geht es euch gut. Wenn ich wanke, wankt ihr auch. Oder schlimmer. 

Das klingt nun sehr dramatisch, aber es ist nicht übertrieben. Im Grunde ist es einfach die Feststellung einer Tatsache, die nochmals unsere Abhängigkeit von der Natur betont. Die Aussage macht klar, dass wir Menschen nur dann eine Zukunft haben, wenn wir unsere eigene Lebensgrundlage sorgsam behandeln und schützen.

Der erste Schritt kann schon einmal sein, sich darüber bewusst zu werden, wie unser Verhältnis zur Natur aussieht, wie sehr wie sie brauchen und was sie für uns bedeutet.

umgestürzte Fichte

Aber ich bin hier seit Jahrmillionen. Ich habe größere Lebewesen als euch ernährt und ich habe größere Lebewesen als euch verhungern lassen.

Nochmal werden die Relationen verdeutlicht. Natürlich ist es nicht so, als hätte die Natur bewusst Arten leben oder verhungern lassen. Aber tatsächlich sterben die allermeisten Arten irgendwann aus. Nichts existiert ewig.

Während ihrer Entstehung passen Arten sich im Laufe der Zeit immer mehr an bestimmte Bedingungen an, spezialisieren sich auf bestimmte Nahrung, auf bestimmte Lebensräume, bestimmte äußere Bedingungen.

Gibt es zu plötzliche Veränderungen, können sie sich nicht schnell genug darauf einstellen. Sie sterben, weil sie keine Nahrung mehr finden oder nicht mit den neuen Bedingungen zurechtkommen. Oder sie werden von den Arten verdrängt, die besser damit umgehen können. Oder es kommt zu Naturkatastrophen, die selbst weniger spezialisierte Arten nicht überstehen können. Menschen scheinen in der Lage zu sein, solche Veränderungen selbst herbeizuführen.

Pestizide, Insektizide, Monokulturen, Vernichtung von Lebensraum, Überfischung, Klimawandel…

Wer hat diese Begriffe noch nicht gehört? Derzeit findet ein massives Artensterben statt und es ist von Menschen gemacht. Unvorhersehbare Ereignisse, z.B. durch den Klimawandel, könnten es weiter beschleunigen.

Was auch passiert, die Natur wird weiter existieren. Es wird Arten geben, die überleben. In Jahrmillionen wird es viele neue Arten geben. Ob der Mensch es übersteht und dabei sein wird?

fossile Dinosaurierspur, Schottland

Meine Meere, meine Böden, meine Flüsse, meine Wälder. Sie alle können euch ertragen. Oder es lassen.

Wir tun so, als würde uns die Welt gehören und teilen sie unter uns auf. Doch eigentlich gehört uns nichts, es ist nur geliehen. Wenn die Natur es zurückhaben will, bekommt sie es auch wieder – um wieder bildlich zu sprechen.

Wenn wir empfindliche Gleichgewichte stören, durch Übernutzung, Einsatz von Giften, Zerstörung von Lebensraum, dann kann es passieren, dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird, deren Ergebnisse wir nicht vorhersehen können. 

Meere werden verseucht, Böden verarmen, Flüsse versiegen, Wälder sterben. Irgendwann können sie uns nicht mehr ertragen. Was passiert dann mit uns?

Gletscherbach

Wie ihr euch entscheidet, Tag für Tag zu leben, ob ihr mich achtet oder missachtet, spielt für mich keine Rolle. So oder so – was ihr tut, bestimmt euer Schicksal, nicht meins.

Das fasst alles nochmal zusammen. Natürlich können wir als einzelner Mensch nicht die Welt retten. Aber viele zusammen können es.

Wir können uns bewusst dazu entscheiden. Weniger Auto fahren, oder weniger Fleisch essen, regionale und saisonale Produkte kaufen. Wir können uns im Umweltschutz engagieren, in der Politik oder in der Umweltbildung.

Es gibt unzählige Möglichkeiten. Es ist unsere Entscheidung. Und mit der Achtung vor der Natur fängt es an. 

Windpark

Ich bin die Natur. Ich mache weiter. Ich bin bereit, mich weiter zu entwickeln. Und Du?

Ja, auch als Menschen sind wir ein Teil der Natur. Und ein Teil unserer Natur ist es, Fähigkeiten zu haben, mit denen wir zwar viel für uns erreichen können, die uns aber auch die Möglichkeit geben, unsere Lebensgrundlagen so weit auszubeuten, dass wir sie uns selbst entziehen.

Die Natur interessiert das nicht. Sie wird einfach fortbestehen. Sie wird sich zwar ändern, aber sie wird fortbestehen. Was auch immer wir tun. Das hat sie immer schon getan. Die Frage ist, können wir uns auch ändern?

Wald im Herbst

 

Zum Schluss

Das Bild, das hier gezeichnet wird, ist ziemlich düster. Wahrscheinlich entspricht das auch der Realität, auch wenn die jetzt lebenden Generationen vielleicht noch nicht die vollen Auswirkungen spüren werden.

Womöglich ist es aber noch nicht zu spät. Zumindest wissen wir heute von vielen Problemen, die vor einigen Jahren oder Jahrzehnten noch unbekannt waren und das Bewusstsein für Umweltprobleme wird immer größer. 

Die Erkenntnis, dass wir in der Natur nur ein kleiner Teil derselben sind und für ihr Fortbestehen im Grunde keine Bedeutung haben, umgekehrt aber die Natur für uns letztendlich alles ist, was wir haben, ist ein erster Schritt.

Auch wir sind ein Teil des großen Ganzen. Und gerade das macht uns bedeutsam. Aber nicht mehr und nicht weniger bedeutsam als jedes andere Lebewesen, das jemals auf diesem Planeten gelebt hat, lebt und leben wird.

Dieser Artikel spiegelt natürlich vor allem mein persönliches Verständnis des Videos und meine Gedanken dazu wieder. Was meinst Du dazu? Schreib‘ es mir in den Kommentaren! 

Schwalbenschwanz

Schreibe einen Kommentar

Your name
Your email address
Website URL
Comment